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Willkommen

Seit  25 Jahren beschäftige ich mich ausschließlich mit dem Material Stahl in verschiedenen künstlerischen Positionen.

Auf den nachfolgenden Seiten finden Sie eine Übersicht meiner Arbeiten sowie Informationen zu meiner Person.

Sie können mich über das vorhandene Kontaktformular oder telefonisch erreichen. Besucher sind im Atelier stets willkommen, ich bitte nur um eine kurze Anmeldung.

Unterhalb dieses Schriftblocks finden Sie einen Text  zu meinen Arbeiten:

 

Sebastian Wien - Arbeiten

 

 

Das Werk des Bildhauers Sebastian Wien ist facettenreich und vielfältig. Schwere monumentale Bodenplastiken existieren neben filigranen Stahlskulpturen oder Wandarbeiten mit einem eher grafischen Charakter.

 

Seine Skulpturen der letzten Jahre lassen sich in verschiedenen Werkgruppen zusammenfassen. Getragen werden sie in allen Phasen von den Grundideen des Künstlers, denen er sich in seinen Arbeiten immer wieder auf neue Weise widmet: Zu diesen zählen Harmonie, Balance und Ausgewogenheit.

 

Ende der 1980er Jahre beginnt Wien zunächst mit Assemblagen aus Rohrsegmenten und Blechen, die er mit mehreren Farbschichten belegt.

Wenige Jahre später entstehen filigrane Drahtfiguren mit einer Andeutung narrativer Bezüge.

Im Folgenden  fällt auf, dass er die Formensprache zunehmend reduziert und im Sinne einer Klärung abstrahiert. Imitation und Abbildung werden mehr und mehr ersetzt durch einen freieren Umgang mit Formen und Material. Eine sehr persönliche, individuelle Formensprache des Künstlers drückt sich nun in den Arbeiten aus.

Ende der 1990er Jahre findet Wien endgültig jenes Material, das er seitdem auf variantenreiche Art bearbeitet und das ihm bei der Gestaltung seiner Motive am eindrücklichsten entspricht: Stahl. Diesen zunächst statisch und leblos wirkenden Industriewerkstoff verwendet er seitdem ausschließlich, um ihn für seine Ideen zu verwandeln.

 

Die Bearbeitungsprozesse selbst verweisen im Kern bereits auf ein äußerst wichtiges Thema des bildhauerischen Schaffens: die Umformung, die Transformation des Vorhandenen.

Konkret sieht das künstlerische Verfahren wie folgt aus: Vorab werden große Stahlplatten gewölbt, so dass eine räumliche Dimension gewonnen wird. Aus den entstandenen bauchigen Grundformen schneidet Wien anschließend Segmente heraus, die er in einem weiteren Schritt durch punktuelles Verschweißen zu neuen plastischen Objekten zusammenfügt. Die einzelnen gewölbten Kompartimente verbindet er so miteinander, dass sich deren Innen- und Außenseiten neu begegnen und sich in neuartiger Weise aufeinander beziehen. Licht und Schatten, Tiefe und Flächigkeit wechseln und bedingen einander gleichzeitig. Körper und Raum greifen ineinander und machen ihren gegenseitigen, intensiven Bezug offenbar.

 

Raum und Objekt gehen eine dynamische Wechselwirkung ein, greifen ineinander und verwirren bzw. verwandeln den Blick des Betrachters in unterschiedlichen Perspektiven. Die schrittweise Bearbeitung des Rohstoffes zielt ebenfalls auf den Gedanken der Transformation. Das Metall verändert sich nach und nach, indem es oxidiert wird und dadurch eine besondere Farbigkeit erhält. Auch wenn Wien den Oxidationsprozess durch die Verwendung von Wasser und Säure in nur wenigen Tagen bewusst beschleunigt, ist die malerische Qualität des rostenden Stahls doch das Resultat einer natürlichen Reaktion. Dagegen ist die zeichnerische Qualität der Schleifspuren oder der Schweißflamme das Ergebnis der künstlerisch-technischen Bearbeitung durch den Bildhauer.

 

Jede fertige Skulptur – genauer: die Oberflächenstruktur – ist also eine Synthese aus einem eher zufälligen Naturverlauf auf der einen und dem ausdrücklichen künstlerischen Gestaltungswillen auf der anderen Seite. Sebastian Wien spricht hier vom „Zulassen“, mit dem er dem sich verändernden, arbeitenden Rohstoff begegnet. Der Bildhauer verfolgt eine ursprüngliche Idee oder ein Thema, indem er bewusst bearbeitet, schweißt oder schleift und damit zu einem bestimmten Resultat zu gelangen sucht. Das endgültige Ergebnis vermag er jedoch nicht vollständig zu kontrollieren, da klimatische Bedingungen, das Einwirken der Elemente wie Wasser, Feuer und Luft oder die Reaktion des Materials ihr Eigenleben führen.

Mit anderen Worten: Wien gibt eine Idee und Struktur vor, Material und Natur tragen jedoch ihren erheblichen Anteil am Gestaltungsprozess zur Entstehung einer Skulptur bei.

 

Dies gilt auch für die eher grafisch anmutenden Wandarbeiten: die sogenannten Monotypien oder Monoprints. Eine wie in den freistehenden Skulpturen behandelte Metallplatte und deren Abdruck auf Papier bilden eine feste Einheit, die durch einen umgreifenden Rahmen einen Bildcharakter erhalten. In der „Monoprint“ genannten Serie haben Metallform und Abdruck eine gemeinsame Grundplatte, bei den sogenannten Monotypien sind es zwei getrennte. Der enge Bezug von Form und Druck zueinander ist in beiden Serien evident. Ebenso wie die Kraft der Elemente: Feuer ( Schweißen, Hitze) und Wasser (Feuchtigkeit, Oxidation).

In beinahe all seinen Arbeiten ist das kombinatorische Verfahren von bewusster Formung und akzidentellem Verlauf, das Wien immer wieder variiert, ablesbar.

 

Mit seiner besonderen Materialbehandlung hängt ein anderer bedeutsamer Aspekt zusammen: die Neu-Deutung des Rohstoffes – wie in der Skulptur  Hier steht auf einer viereckigen, dünnen Plinthe die Ecke eines gewölbten Segmentes, dessen Grundform ein Dreieck ist. Die beiden oberen Ecken sind so mit zwei gleich geformten Kompartimenten punktuell verbunden, dass diese Konstellation an ein Wind- oder Wasserrad denken lässt. Die Eigenschaft des ansonsten eher schweren, statischen Materials Stahl wird der filigranen Leichtig- und Beweglichkeit des assoziierten Motivs spannungsreich entgegengesetzt und damit neu interpretiert.

 

Eine ähnlich ´spielerische` Verfremdung des Materials schafft er in jenen Arbeiten, in denen er Stahl mit einem zweiten Metall, nämlich Zink, kombiniert – wie in dem Objekt „Variation II / 16“ (Abb.). Wien trägt Zink, das in der Industrie als Korrosionsschutz verwendet wird, auf die Stahlfläche auf und schleift es in einem nächsten Schritt an bestimmten Stellen wieder ab. Das Schleifverfahren lässt sich nicht gänzlich kontrollieren, so dass es bei beiden Metallen einen jeweils unterschiedlichen farblichen Effekt hinterlässt. Das Ineinandergreifen beider,

-nach der Oxidation- verschiedenfarbiger Bearbeitungsspuren bewirkt eine höchst malerisch anmutende Struktur, deren Ästhetik sich weit weg vom industriell gefertigten Material Stahl oder Zink bewegt. Und ebenso weit entfernt von der seriellen Produktion des Werkstoffes positioniert sich jede einzelne Skulptur als Unikat, das in seinem individuellen In-Sich-Ruhen jedem Seriencharakter entgegensteht.

 

Gesteigert wird die Ambivalenz zwischen spröder Materialität und filigraner Ästhetik in einer weiteren Werkserie. Hier wählt Wien das Material Edelstahl, das er oft auf der Innenseite farbig bemalt – wie das Objekt „Variation V / 8 VA“ (Abb.) zeigt. In seinem Schaffensprozess bleibt sich der Bildhauer auch hier treu: Geschnittene und gewölbte Kompartimente werden von ihm neu zusammengesetzt. Die optische Wirkung zielt durch die eine farbige Seite und ihre Mehransichtigkeit auf eine gewisse Irritation des Betrachters, die durch Lichtreflexe des Edelstahls noch gesteigert wird. Die Form der Kugel bleibt dabei gleichsam „mitgedacht“, als eine Art Folie erkenn- und ergänzbar.

 

Auch in den meisten skulpturalen Arbeiten bleibt die Kugel die Basis aller neu geschaffenen Gebilde. Deutlich nachvollziehen lässt sich dies in der Arbeit „Verzweigt I / 1“ (Abb.). Das Betrachterauge vermag intuitiv die Ausgangsform zu vervollständigen bzw. neu zusammenzusetzen.

Der Kreis, die Kugel ist das stets wiederkehrende Leitmotiv des Künstlers. Diese harmonischste aller Formen, die in sich eine Ganzheitlichkeit und Perfektion birgt, dient als Ausgangsform. Der Kreis steht für Ausgewogenheit und Balance – eben jenen Werten, die der Bildhauer Sebastian Wien in Werk und Person verkörpert.

 

Die genannte Art der Wahrnehmung, die in „Gedanken“ erneut zusammensetzt, ergänzt und verändert, ist gleichsam ein meditativer Zugang. Es ist ein Augenblick höchster Konzentration. In Anlehnung an die Kreisform geschieht eine Rückführung des Betrachters zu sich selbst, zur Natur und – pathetischer: zum Ursprünglichen, das im Kreis erneut zur Vollendung gelangt, weil hier Beginn und Ende identisch sind.

Die unaufgeregte, beruhigte Ästhetik – in Farbe und Oberflächenstruktur – betont einmal mehr die meditative Qualität der Metallskulpturen Sebastian Wiens.

 

 

                                                                                                              Dr. Carolin Krüger-Bahr

                                                                                                                         Kunsthistorikerin

                                                                                                                 Museum Lüdenscheid